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Die Helden von heute: »Neue Ufer« hat einen gewissen Verweischarakter auf ein gutes Dutzend Bilder, die vordergründig das Thema »Sport« behandeln. Holt malt jubelnde Fußballer, Eishockey-Spieler in dramatischen Torraumszenen, US-Footballer beim beinharten Clinch. Rasendes wird mit höchster Artifizialität zum Stillstand gebracht. Es sind die Helden von heute, oft die (antiken) Mythen von gestern, die Richild Holt farbintensiv, aber ohne Verklärung anruft … Eine andere Serie nimmt das Thema Fitness auf. Holt platziert ihre Figuren zwischen glänzende Eisenstangen von Muskelmaschinen. Es geht in Wahrheit um Folter, der Preis der Schönheit. Diese Innenansichten der Oberfläche sind kritische Bestandsaufnahmen. Holt malt diese geheimnislosen Barbies so, als seien sie schon zu Maschinenwesen mutiert. Es ist eine aktuelle Kunst, die Kunst der Richild Holt (selbst ihre Stilleben, die von einer enormen poetischen Intensität zeugen) … Wenn sie, wie etwa in »Geschwindigkeit«, zwei Rollschuhfahrer aus einem imaginären Raum herausschleudert, bedrohlich wie Hodlers »Holzfäller«, dann erfasst diese in knalligen Farbtönen komponierte Vivisektion ein Stück Zeitgeist … Es ist ein Spiegelbild des Hochgeschwindigkeitskurses, den wir leben, erdulden und - erleiden.
Siegmund Kopitzki, Südkurier, Konstanz, 30. April / 1. Mai 1994