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Kommentare (Auswahl)

In den Farben anderer Bilder leuchten geheime Botschaften von Kirchner, Marc, Hockney.
Manch eine Linie folgt den Spuren Bacons, eventuell auch Schieles. Wenige Künstler
arbeiten heute dermaßen deutlich und sicher in der Tradition der klassischen Moderne
(wie weit man deren Rahmen auch stecken mag) wie Richild Holt: »Obwohl wir alleine
für uns als individuelle Künstler stehen, wissen wir, dass wir zur selben Zeit auf den
Schultern anderer stehen - im Verlauf der Kunstgeschichte - im Fluss der Kunst.«
Diese beeindruckend offene Sicht, aber auch der sehr persönliche Malgestus
Richild Holts erübrigt Diskussionen um etwaiges Epigonentum ...

Geradezu auffällig ist ihre meisterliche Beobachtung von Körpersprache und deren
ebenso meisterliche Umsetzung ins Bild. Die stärkste Wirkung erzielen dabei solche
Portraits, in denen der Betrachter emotionellen Overspill zu ahnen vermeint:
Eine gewisse Wut, erotische Interessen, manchmal eine Art (uneingestanden zynischer?)
Distanz ... Die Bilder strahlen etwas aus, das über die, ohnedies viel zu schnell konsumier-
bare handwerkliche und ästhetische Brillanz hinaus aufs angenehmste verstört ...
Richild Holts Talentreserven als Portraitistin und in ihrem Umgang mit Farbe ...
scheinen dermaßen groß, dass sie ihren ästhetischen Weg in den disziplinierten
Exzess weitergehen sollte.
Fridolin Hütter, Kleine Zeitung, Graz, 19. September 1992